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Abenteuer Reiterflohmarkt

 

(nicht ganz ernst zu nehmender Erfahrungsbericht)

 

Reiterflohmarkt. Der erste in meinem Leben. Schon Wochen vorher mache ich mir Gedanken: Was muss weg? Was kann weg? Und was davon will  ich überhaupt weggeben? Immerhin habe ich ja die letzten Jahre über eine beachtliche Sammlung von Gegenständen zusammengetragen, die man als Reiter alle irgendwie "braucht". Und nicht nur einmal. Reithosen, Pullis, Fleecejacken, Schabracken, Bandagen, Sporen, Gebisse, Abschwitzdecken, ... Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Mein Mann bekommt schon die Krise. Das Argument "Aber die  Schabracke hab ich noch nicht in der Farbe" ist für ihn nicht nachvollziehbar. Nie.  Der Bundeswehrspind im Stall reicht längst nicht mehr aus. Der Trend geht eindeutig zum Zweitschrank im heimischen Keller. Mein Mann rümpft die Nase: "Im Keller riecht's nach Pferd."

 

Also ausmisten. Ade, ihr nicht mehr gebrauchten Reithosen, Pullis, Fleecejacken, Schabracken, Bandagen, Sporen, Gebisse, Abschwitzdecken, ... Großer Karton auf, Sachen rein. Ich stelle fest, der große Karton reicht nicht aus. Noch einer muss bei. Und ein kleiner. Schon Tage vor dem Flohmarkt ist alles frisch gereinigt, verpackt und wartet auf den großen Tag. Vorbereitung ist ja alles.

 

 

 

Sonntagmorgen, 7 Uhr. Rrrrriiiiing. Der Wecker läutet. Mein Mann rümpft müde wieder die Nase: "Ist schon wieder Turniersaison?" Nein. Reiterflohmarkt. - "Ah. Auch nicht besser."

 

Kaffee hilft an diesem Morgen nicht. Müde lade ich die Kisten ins Auto. Mann, sind die schwer! Schnell noch Brötchen schmieren. Stundenlanges Rumsitzen wird mich hungrig machen, also muss man auch darauf vorbereitet sein. Und eine Kanne mit Ingwertee wird eingepackt. Bestens vorbereitet. Wie Oma, wenn sie und Opa uns früher besuchen fuhren.

 

Los geht's. Ich fahre überpünktlich los. Man will ja einen guten Standplatz ergattern. Verkehr läuft, ich komme ohne Probleme an und bekomme auch einen Parkplatz nah an der Halle. Ich melde mich an und bekomme "meinen" Stand gezeigt. Mittendrin. "Kann ich nicht doch einen Platz an der Bande bekommen? Ich würde gern was aufhängen." Aber sicher doch. Juhu. Ich beziehe meinen Platz und lade meine Kisten aus dem Auto. Ich stelle nochmals fest, wie schwer die Dinger doch sind. Hoffentlich kommen genug Käufer, damit ich das ganze Zeug nicht wieder heim schleppen muss. Noch während des Aufbaus laufen meine Mitstreiterinnen rum und checken das Sortiment. Ich verzichte, mir andere Stände anzusehen. Sonst laufe ich noch Gefahr, dass ich schon wieder Geld für Pferdesachen ausgebe, bevor ich überhaupt welches verdient habe.

 

Der Flohmarkt verläuft schleppend. Heute ist es nasskalt, zwischendurch schauert es immer mal wieder. Kein gutes Wetter, um das Reitervolk vor die Haustür zu locken. In der Halle ist man zwar geschützt, der Wind pfeift trotzdem. Ich lobe mich selbst für die Idee mit dem Ingwertee und den Brötchen. Meine Sachen interessieren, aber oftmals ist es nicht die passende Größe. Weil die Tochter da noch reinwachsen muss. Oder die Farbe gefällt doch nicht so. Oder der (im Vorfeld durchaus von mir fair kalkulierte) Preis ist manchen immer noch zu teuer. Man feilscht. Nein, Äpfel und Eier nehme ich nicht dafür. Und zu verschenken habe ich leider auch nichts. Trotzdem finden die ersten Euro den Weg in meinen Geldbeutel. Und einige Sachen finden ein neues Zuhause.

 

Halbzeit. Viel ist nicht los. Der erste Stand "schließt" bereits: die drei Mädels schräg gegenüber von mir gehen mit fast genauso viel, wie sie mitgebracht haben. Eine Dreiviertelstunde später gibt auch die Dame daneben auf. Ich harre aus. Noch ist ja Zeit. Nur langsam wird es mir kalt an den Füßen. Noch ein paar Euro schaffen es in meine Kasse. Immerhin. Ich bin insgesamt ganz zufrieden. Es könnte noch etwas mehr sein, aber für den ersten Reiterflohmarkt ist es in Ordnung. Kurz vor Ende packe auch ich schließlich meine sieben Sachen. Die meisten Besucher bleiben jetzt lieber am Kaffee-und-Kuchen-Stand. Zwischendurch haben nach und nach immer mehr Stände "dichtgemacht". Das Wetter ist heute einfach zu doof.

 

Ich wuchte meine Kisten wieder  ins Auto. Etwas leichter sind sie ja jetzt, aber es ist noch einiges übrig. Ich werde es in den kommenden Tagen über Kleinanzeigen-Portale anbieten. Bislang hab ich noch immer einen Käufer für meine Sachen gefunden. Heimreise ins warme Zuhause. Ich packe noch schnell die Kisten in den Keller, ziehe die Kuschelsocken an und werfe mich auf die Couch. Feierabend.

 

Fazit: Wieder eine Erfahrung mehr. Ob ich mir das nochmal antun möchte, weiß ich noch nicht. Kindersachen sind sehr stark gefragt auf Reiterflohmärkten, daneben sind viele auf Mega-Schnäppchen aus und rufen Preisvorschläge auf, die teils schon an Unverschämtheit grenzen. Dass das alles auch irgendwann mal Geld gekostet hat, interessiert nicht. Darauf muss man sich einstellen. Im Regelfall verdient man schon ein paar Euro, muss dafür aber auch Nerven und Sitzfleisch beweisen. Und standhaft bleiben, damit man am Ende nicht mit mehr heimkommt, als man ursprünglich das Haus verlassen hat. Es könnte sonst passieren, dass der Mann wieder die Nase rümpft... ;)