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Die Suche nach einem Pferd

... oder "Von einer, die auszog, das Wundern zu lernen"

 

Hallo meine Lieben, heute wird es mal etwas persönlicher. Ich dachte mir, ich berichte mal etwas ausführlicher über den aktuellen Status bzw. die Geschehnisse der letzten Wochen zum Thema "Pferdesuche". Wie Ihr ja wisst, habe ich Ende Februar meine Reitbeteiligung an Arosa aufgegeben und bin somit momentan "pferdelos".

 

Seither habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht. Wo will ich jetzt pferdetechnisch hin? Soll es wieder eine Reitbeteiligung werden? Vielleicht doch ein Pferd zur Verfügung oder sogar endlich ein eigenes? Immerhin verfolgt mich der Wunsch nach einem eigenen Pferd ja schon seit Kindheitstagen immer mal wieder. Also Fragen über Fragen. Ich entschloss mich, einfach mal in alle Richtungen zu suchen. Zugegeben, die letzten beiden Optionen gestalten sich noch etwas schwierig, da ja auch mein Mann dem ganzen zustimmen muss. Keine so leichte Aufgabe, denn meine "Vorgängerin" hatte ebenfalls zwei eigene Pferde. Insofern ist mein Mann da natürlich ein "gebranntes Kind" und vom Thema "eigenes Pferd" hält er also per se erstmal recht wenig.

 

Aber auch eine Reitbeteiligung zu finden ist gar nicht so einfach. Ihr denkt jetzt bestimmt, mann, die hat bestimmt total hohe Ansprüche und eine Reitbeteiligung zu finden ist doch ganz easy. Zweimal "jein" an der Stelle. Als hoch würde ich meine Ansprüche nicht bezeichnen, aber mit den Jahren bekommt man eben ein recht genaues Bild, was man möchte und was nicht. Gewisse Dinge müssen für mich einfach gegeben sein. Das fängt schon beim Stockmaß an. Was nutzt mir zum Beispiel eine Reitbeteiligung auf einem Kleinpferd, wenn ich mit meinen langen Beinen da quasi schon im Sattel "mitlaufen" kann? Natürlich gibt es auch hier jede Menge Besitzer, die eine Mit-Reiterin für ihr Pferd suchen. Aber das passende ist aktuell einfach nicht dabei. Es ist eben doch nicht so easy, ein Pferd mit minimum 1,70m Stockmaß zu finden, das geländesicher, verladefromm, einigermaßen in Dressur bewandert und ein einem guten Gesundheitszustand ist. Mittlerweile habe ich so viele Pferde kennengelernt, die all dies nicht  waren, dass ich wirklich schon fast vom Glauben abgefallen bin.

 

Der aktuelle Status ist also, dass ich immer noch auf der Suche bin. Egal zu welcher der der drei Optionen (Reitbeteiligung, Verfügungspferd oder Kauf) ich mir in den letzten Wochen Pferde angesehen habe, ich bin am Ende immer kopfschüttelnd heimgefahren. Wenn ich denn überhaupt erst hingefahren bin.

 

Da war zum Beispiel der Verkaufs-Fuchs aus einem Reitverein in der näheren Umgebung, der als Oldenburger mit 1,75m Stockmaß, geländesicher und solides L-Niveau beschrieben wurde. Als ich mit einer Freundin dort hinkam, fanden wir einen (laut Boxenschild) Hannoveraner (!) in einem absolut unmöglichen Zustand an. Ich hatte das Pferd ja vorher schon gegoogelt und auf Youtube zwei Videos gefunden. Dort sah er ganz passabel aus, ein schönes Pferd mit schönen Gängen. Das, was nun vor uns stand, hatte mit dem Video so gar nichts mehr zu tun. Abgemagert, Rippen sichtbar, kaum Muskeln. Beim Vorreiten auf dem Platz bekam der Kleine bei jedem Windstoß Panik und war von seiner Reiterin kaum zu handhaben. Ablongieren hätte vielleicht geholfen. Auf die Frage, warum er denn so wenig Muskeln habe, bekamen wir die Antwort, das käme wohl vom Reitschulbetrieb und man hätte schon den Tierarzt einen Check machen lassen, aber man würde nichts finden. Aha. Wenn man Pferd wie beschrieben über Monate (!) hinweg abbaut und der Tierarzt nichts findet, war holt man nicht mal einen zweiten Rat ein. Warum lasse ich nicht das Equipment checken und verwende (wie so oft) einen Wintec-Sattel mit fettem Fellpad, obwohl der Sattel augenscheinlich nicht passt? Vielleicht mehr füttern oder Zusatzfutter geben, Futter umstellen? Oder stimmt am Ende irgendwas mit dem Pferd nicht und die Besitzerin will es nur nicht sagen? Und warum schafft man es noch nichtmal, in der Anzeige die richtige Rasse anzugeben? Ja, da müsste sie nochmal in die Papiere gucken, das wisse sie jetzt nicht auswendig. Bitte, ich muss doch wissen, was mein Pferd für eine Rasse ist. Und das waren nicht die einzigen Unstimmigkeiten zwischen Anzeige und Realität. Nachdem der Fuchs also mit seiner Reiterin zweimal quer übern Platz getobt war, verabschiedete ich mich dankend.

 

Ein paar Tage später dann eine Anfrage auf mein Gesuch nach einem Verfügungspferd. Man wolle mir einen Link per E-Mail schicken. Also gut. Nur führte der Link dann zu einem Verkaufsvideo auf Youtube. Schön war die Stute ja, aber man konnte an der Professionalität des Videos erahnen, dass das sicherlich nicht meine Preisklasse war. Ein Preis wurde erst gar keiner genannt und die Zuchtstation war auch nicht grad in der Nähe. Wer etwas gesunden Menschenverstand mitbringt, kann nicht davon ausgehen, dass jemand ein Pferd für gut 25.000 € und mehr kauft, wenn er auf der Suche nach einem Verfügungspferd ist. Zumal die Dame auch wirklich null weitere Info rüberwachsen ließ. Ich habe mich dann spaßeshalber einfach mal doof gestellt und ihr geschrieben, was ich nun mit dem Video ohne jegliche Info soll. Ob sie mir wohl die Stute zur Verfügung anbieten will, da ja das Portal "Pferd-zur-verfügung.de" ja eigentlich nur dafür gedacht ist. Es kam nie eine Antwort. Na dann.

 

Wieder ein paar Tage später entdeckte ich die Anzeige für eine Reitbeteiligung im Nachbarort. Nachdem wir den Wallach von der Koppel geholt und ausgedeckt hatten, am Anbindeplatz dann der Schock: Muskeln suchte ich auch bei diesem Pferd vergeblich. Rippen konnte ich einzeln zählen. Die Besitzerin erklärte mir lapidar, sie hätte mit ihm übern Winter nicht so viel gemacht. Oh je. Noch bevor ich Veto einlegen konnte, hatte sie auch schon den Wintec-Sattel mit drei (!) Pads drunter auf seinem Rücken drapiert. Sorry, aber wenn der Sattel weder von der Kammer noch von der Auflage her passt, dann helfen auch drei Pads nichts mehr. Gute Miene zum bösen Spiel machend, bestieg ich eher unlustig das Pferd. Er lief zwar ganz passabel, aber ich fühlte mich da oben drauf wie der größte Tierquäler. Nach ca. 20 Minuten fand ich dann endgültig, dass es reichte. Auf meine Ankündigung meinte die Besitzerin nur, ach, den könne ich ruhig noch ein Stündchen reiten, der würde seit 2 Monaten schon wieder voll geritten. Ernsthaft? Hatte diese Frau überhaupt sowas wie Pferdeverstand? Ich ritt des Friedens willen noch zwei Schrittrunden und stieg dann ab. Beim Absatteln präsentierte sie mir dann noch stolz ihr "Erstpferd". Den anderen hatte sie nur gekauft, damit sie was zum Reiten hatte, weil ihr Liebling verletzungsbedingt ausgefallen war. Jetzt hatte sie quasi keine Verwendung mehr und suchte einen Dummen, der ihr die Arbeit abnahm und Geld in den Säckel spülte. Nein Danke, aber sowas unterstütze ich nicht.

 

Letzte Woche dann schließlich mal wieder eine Verkaufsanzeige. Eine sehr hübsche, sehr große Stute, ganz in der Nähe, Dressur noch nicht viel gearbeitet, dafür grottenbrav im Gelände. Die Anzeige las sich wie meine Wunschliste und was in der Dressur nicht ist, kann immer noch werden. Sie ist ja erst 7. Ich war begeistert und schrieb den Besitzer sofort an. Stunden vergingen, Tage vergingen. Keine Antwort. Ok, vielleicht wollen sie nur angerufen werden. Es standen ja zwei Nummern dabei. Erste Nummer gewählt, ewiges Klingeln, niemand geht ran. Ok. Zweite Nummer gewählt, nach ein paarmal Klingeln nur die Mailbox. Fein, dann quatsche ich eben auf die Mailbox. Bekunde mein Interesse, hinterlasse meine Nummer und bitte um Rückruf. Auf den warte ich auch heute noch vergeblich. Was ist das für ein Verkäufer, der auf Anfragen null reagiert? Gibt es das Pferd überhaupt? Man weiß ja nie.

 

Ja und so könnte ich hier noch ein paar mehr Beispiele schreiben, denn die kuriosen Situationen häufen sich immer weiter. Das es für mich nicht so leicht ist, den passenden pferdischen "Deckel" zu finden, bin ich ja mittlerweile gewohnt. Immerhin bin ich ja jetzt in einem Alter, wo ich auch einfach keine (oder sagen wir mal nicht so große) Kompromisse mehr eingehen möchte. Ist halt so. Ich wundere mich nur, dass es wirklich so viele Besitzer gibt, die ihren Zossen über'n grünen Klee loben und einem dann in der Realität ein Pferd präsentieren, das mal so absolut nichts mit dem zu tun hat, was man erzählt bekam. Dass man Dinge etwas beschönigt, ist ja irgendwie verständlich, wer macht das nicht? Aber sowas? Das frustriert auf Dauer. Man möchte ja auch irgendwann mal wieder einfach schön ausreiten oder an seinem reiterlichen Können feilen oder auch mal wieder Turnierluft schnuppern. Obwohl es grad mal anderthalb Monate her ist mit Arosa, fehlt mir die Zeit im Stall schon. Habe ich also etwa doch zu hohe Ansprüche? Auf den Seiten anderer Blogger und Pferdebegeisterten hat man immer den Eindruck, dass die ihr "Seelenpferd" immer alle sofort auf Anhieb gefunden haben. Wahrscheinlich entspricht das aber wohl doch nicht so ganz den Tatsachen und vielleicht haben sie ja genauso lang gebraucht wie ich? Ich bleibe einfach optimistisch und gebe die Hoffnung nicht auf. Wie heißt es so schön: Du suchst nicht das Pferd, das Pferd findet Dich! In dem Sinne: wünscht mir Glück!