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Reitbeteiligung: so findest Du das richtige Pferd

Heute möchte ich Euch ein paar Tipps zum Thema Reitbeteiligung geben. Nicht jeder hat ja das Glück, sich ein eigenes Pferd leisten zu können. Sei es, weil das Finanzielle einem einen Strich durch die Rechnung macht oder weil man selbst nicht die Zeit hätte, jeden Tag in den Stall zu gehen. Schlimmstenfalls beides. Ich selbst bin jetzt schon seit einigen Jahren Reitbeteiligung diverser Pferde gewesen. Habe einige Ställe von innen gesehen und mit allen möglichen Typen Besitzern zu tun gehabt. Man erlebt wirklich so einige Sachen! Doch worauf sollte ich achten, wenn ich eine Reitbeteiligung suche? Schauen wir uns doch mal die wichtigsten Punkte an:

 

1. Warum möchte ich eine Reitbeteiligung?

Blöde Frage? Überhaupt nicht! Speziell unter jüngeren Reitern ist der Wunsch, möglichst bald eine Reitbeteiligung zu haben, sehr groß. Man möchte ja nicht ewig auf Schulponies rumjuckeln. Und eine Reitbeteiligung zu haben, ist ja auch so viel cooler, überhaupt. Aber frage Dich: möchte ich mir das wirklich „antun“? Eine Reitstunde kann man notfalls absagen, wenn’s einem grad nicht in den Kram passt und man lieber ins Schwimmbad will. Oder man keine Lust hat, bei Minusgraden den vermatschten Paddock abzuäppeln. Bei einer Reitbeteiligung kommt sowas eher nicht so gut! Du musst Dir im Klaren sein, dass das Pferd an „Deinen“ Tagen quasi wie Dein „eigenes“ ist und auch so versorgt werden sollte. Auch wenn es schöner ist, im Winter faul auf der warmen Couch zu liegen, obwohl das Pferd eigentlich noch bewegt, ausgemistet, Futter vorbereitet und der Sattel geputzt werden will (je nachdem, was in dem Stall für Arbeit eben anfällt). Das kann je nach Aufwand mal locker irgendwas zwischen 2 und 4, manchmal mehr Stunden sein. Ich habe beispielsweise auch schon die ein oder andere Kolik bei einem Reitbeteiligungs-Pferd mitgemacht. Bin stundenlang mit dem Pferd abends/nachts durch die Reithalle gelaufen. Habe in der Box übernachtet, um das Pferd im Auge zu haben. Klar, sowas kommt eher selten vor, aber da kann bzw. sollte man nicht mal eben sagen: „Ich hab jetzt aber keine Lust“. Kommt bei den Besitzern nicht so gut. Krankheit von einem selbst mal ausgenommen. Außerdem ist auch Dein reiterliches Können entscheidend. Logischerweise immer entsprechend des jeweiligen Pferdes und was Du machen möchtest. Bei einem reinen Freizeitpferd, das nur ins Gelände geht, ist das jetzt nicht so unbedingt kriegsentscheidend. Wenn Du Schritt, Trab, Galopp reiten und oben bleiben kannst, reicht das manchen Besitzern ja schon. Aber gerade bei den etwas „anspruchsvolleren“ Pferden mit einem gewissen Ausbildungsstand solltest auch Du ein gewisses Niveau vorweisen können. Es bringt niemandem was, wenn Du wöchentlich auf „Samson Hit“ rumhoppelst und der nach ein paar Monaten dank Deiner Reitkünste dann eben nicht mehr der „Hit“ ist und stattdessen erstmal wieder einen Bereiter und einen Osteopathen braucht. Leider überschätzen sich viele und geben bei den Besitzern auch gern mal vor, schon „sicheres A-Niveau“ reiten zu können, obwohl sie oft noch nicht mal in einer E-Dressur einen Blumentopf gewinnen würden.

 

 

2. Wo finde ich nun eine Reitbeteiligung?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn Du in Deinem Stall schon in der Reitstunde der absolute Oberkracher mit ganz viel Potential bist, kann es sein, dass Dich ein Besitzer direkt anspricht. Kommt nur leider selten vor. Der Vorteil für den Besitzer ist: er/sie hat Dich schon ein paarmal reiten sehen und kann schonmal grob einschätzen, ob sein/ihr Pferd mit Dir harmonieren würde. Andersrum kannst Du auch selbst in Deinem Stall die Augen und Ohren offenhalten und einfach mal fragen. Kostet ja nichts und zumindest wissen dann die Stallkameraden, dass Du auf der Suche bist und können sich evtl. auch mit für Dich umhören. Eine weitere Möglichkeit sind Aushänge in den Ställen in Deinem Umkreis. Einfach ein paar Zeilen zu Dir und was Du suchst inklusive Kontaktdaten ans Schwarze Brett des Stalls getackert. Schreibe am besten Deine Telefonnummer dazu. Gerade etwas ältere Besitzer klären sowas gern übers Telefon und nicht über E-Mail/WhatsApp. Ist einfach persönlicher. Die klassische und am meisten genutzte Variante sind Kleinanzeigenportale und natürlich Facebook. Du kannst entscheiden, ob Du selbst ein Gesuch erstellst oder Dir einfach nur die Anzeigen der Pferdebesitzer durchschaust und Dich darauf meldest. Auch hier gilt, genauso wie bei Aushängen: nicht lügen! Erfinde keine Turnierplatzierungen oder einen Ausbildungsstand, den Du gar nicht hast. Spätestens beim Probereiten kommt das eh ans Licht. Und ja, auch Besitzer googeln potentielle Reitbeteiligungs-Kandidaten. Wer versucht, sich besser zu mogeln als er ist, hat da schnell schlechte Karten. Die Reiterwelt ist meistens eh ein Dorf und es kann gut sein, das der/die BesitzerIn in Eurem Stall eine Bekannte hat oder jemand kennt, der Dich kennt...

 

3. Worauf sollte ich beim Kennenlern-Termin achten?

Achte auf den ersten Eindruck! Das gilt sowohl für den Eindruck den Du auf den Besitzer machst, als auch, was Du für einen Eindruck vom Besitzer und dem Stall bekommst. Wenn Du wie Madam Flodder angewatschelt kommst, wird Dir niemand sein Pferd anvertrauen wollen. Natürlich musst Du auch nicht aufgebrezelt erscheinen wie ein Model aus dem aktuellen Cavallo-Katalog. Ob Deine Reithose jetzt gleich zur Schabracke von „Samson Hit“ passt, interessiert niemanden. Ein gepflegtes Äußeres und ein freundliches Auftreten dagegen schon. Wenn Du ein Pferd in Deinem Stall probereitest, kennst Du zumindest schonmal die Anlage, weißt wo was ist, wie die Pferde gehalten werden etc. Manchmal kommst Du aber auch in einen ganz fremden Stall. Schau ihn Dir ruhig näher an: Wie werden die Pferde gehalten? Ist die Anlage gepflegt? Sind die Leute nett? Was hast Du dort für Möglichkeiten? Das ist unter anderem auch wichtig, wenn es um die Verhandlung einer monatlichen Kostenbeteiligung geht (unten mehr dazu). Generell gilt: Du solltest Dich in diesem Stall wohlfühlen und Dir vorstellen können, auch Dein eigenes Pferd dort einstellen zu wollen, wenn Du eins hättest. Wichtig ist natürlich auch die Chemie zum Besitzer/zur Besitzerin. Was ist er/sie für eine Person? Nett, zurückhaltend, eingebildet, unfreundlich, ...? Kannst Du Dir vorstellen, mit dieser Person gut auszukommen? Immerhin ist es sein/ihr Pferd und ab und zu muss man sich auch wegen gewissen Dingen abstimmen. Wenn Du von Anfang an ein ungutes Gefühl bei Stall oder BesitzerIn hast, überleg es Dir lieber nochmal. Andere Ställe haben auch schöne Pferde.

 

4. Worauf muss ich beim Proberitt achten?

Auch hier gilt: hör auf Dein Bauchgefühl! In den meisten Fällen lassen Dich die Besitzer das Pferd aus der Box oder von der Koppel holen und vorab putzen. Dabei merkst Du schon, wie das Pferd auf Dich reagiert. Ist es freundlich, verspielt, eher ängstlich, frech, aufmüpfig? Würdest Du Dir selbst dieses Pferd kaufen wollen? Bleib bei allem so normal wie immer. Putze so, wie Du immer putzt. Sattel so, wie Du immer sattelst. Natürlich hat jedes Pferd seine Besonderheiten und der Besitzer wird oder besser sollte auch darauf hinweisen. Frage ruhig nach Tipps, das zeigt dem Besitzer Interesse und Du kannst nebenbei das eine oder andere Wichtige über das Pferd erfahren. Höre genau zu, wenn der Besitzer Dir etwas erklärt und schau hin, wenn er Dir etwas zeigt. Es bringt Dir nichts, wenn Du später jedes Mal aus dem Stall anrufen und fragen musst: „Wie war das gleich noch mal?“ Das gilt auch fürs Reiten. Den meisten Besitzern ist wichtig, dass ihr Pferd ordentlich geritten und behandelt wird. Gehe auf die Eigenheiten des Pferdes ein. Fühle hin. Höre auf Deinen Bauch. Niemand erwartet von Dir, dass Du direkt beim ersten Proberitt das Pferd an die Hilfen bekommst. Manchmal dauert das ein paar Tage. Und ein seriöser Besitzer wird Dir auch einen weiteren Proberitt an einem anderen Tag zugestehen. Wenn es heute nicht geklappt hat, aber zumindest die Tendenz positiv ist und auch Dein Bauch prinzipiell ja sagen würde, dann kann es möglicherweise ein paar Tage später besser klappen. Bedenke, Du kennst das Pferd nicht und das Pferd kennt Dich nicht. Ihr müsst erst zusammenfinden und das dauert seine Zeit. Wenn es so überhaupt nicht harmoniert, dann gesteh es Dir ruhig ehrlich ein. Das ist keine Schande und kein Weltuntergang! Der Besitzer sieht Dich ja auch reiten und wird Dir Feedback geben. Im besten Fall ist das auch ehrlich. Keiner erwartet von Dir, dass Du der Pferdeflüsterer bist, der einen verkorksten Zossen in 5 Minuten wieder „hinbiegt“. Klar gibt es Besitzer, die einfach nur einen Deppen suchen, der ihnen das Pferd finanziert und die jedes Lieschen Müller auf ihren ebenjenen Zossen setzen würden, solang die Kohle stimmt. Von denen hältst Du Dich aber besser fern!

 

5. Welche Konditionen soll/muss ich verhandeln?

Was die Konditionen Deiner Reitbeteiligung angeht, da ist „von-bis“ alles möglich und alles frei verhandelbar. Du solltest Dir im Vorfeld schon Gedanken machen: Wie viele Tage in der Woche hätte ich Zeit für das Pferd? Passt das zeitlich mit Schule/Uni/Arbeit? Wie hoch ist mein monatliches Budget, was kann ich ausgeben? Wie ist es mit Urlaub oder Krankheit, sowohl bei mir als auch bei dem/der BesitzerIn? Soll/darf ich Reitstunden nehmen, darf ich Lehrgänge reiten? Wie sieht es mit Turnieren aus? Bezüglich einer Kostenbeteiligung gibt es große Unterschiede. Manche Besitzer machen das kostenlos, weil sie einfach nur jemand brauchen, der sie unterstützt. Manche nehmen einen angemessenen monatlichen Betrag. Der sollte sich möglichst nach Ausbildungsstand des Pferdes, nach dem Stall und auch nach den Möglichkeiten richten. Wenn das Pferd gut ausgebildet ist, in einem Turnierstall steht und Du die Möglichkeit hast, selbst mit ihm Turniere zu reiten, wird die Kostenbeteiligung wohl meist etwas höher ausfallen als in einem reinen Freizeit-Selbstversorgerstall auf einem westerngerittenen Geländepferd ohne Turniermöglichkeit. Informiere Dich auf Kleinanzeigenportalen über die Preise in Deiner Region. Hier in Rhein-Main schwanken sie meist irgendwo zwischen 50 und 100 EUR im Monat für 2-3x pro Woche. Passt dann noch wöchentlich/zweiwöchig eine Reitstunde in Dein Budget? Denn nur weil man eine Reitbeteiligung hat, heißt das nämlich noch lange nicht, dass man dann keine Reitstunden mehr nehmen muss. Den meisten Besitzern ist daran gelegen, dass Du Dich gemeinsam mit den Pferd weiterbildest und ihr weiter zusammenwachst.  Die Finger solltest Du davon lassen, wenn Du merkst, dass der/die BesitzerIn nur jemand braucht, der ihm/ihr das Pferd finanziert. Oftmals hat so jemand dann gleich mehrere Reitbeteiligungen auf einem Pferd. Oder verlangt einen horrenden monatlichen Beitrag bei nur wenig Gegenleistung. Sowas finde ich persönlich nicht in Ordnung. Es ist unfair dem Pferd gegenüber. Am schlimmsten finde ich immer noch die, die von vornherein wissen, dass sie nicht das Geld für den Unterhalt eines eigenen Pferdes haben und sich trotzdem eins kaufen. Die Reitbeteiligungen werden’s schon finanziell richten. Auch ich musste schon eine solche Erfahrung machen und ich kann sagen: Einmal und nicht wieder. Sicherlich kann jeder mal in eine Schieflage kommen, dann kann man das zeitweise auch mal so regeln, aber nicht auf Dauer und/oder von vornherein darauf ausgelegt. Generell solltest Du einfach schauen, dass die Konditionen der Reitbeteiligung für Dich passen. Lass Dich nicht zu irgendwas überreden/zwingen, was Du nicht möchtest oder kannst. Ob reiterlich oder zeitlich oder finanziell. Wenn Du Dir unsicher bist, vereinbare einen „Probemonat“, in dem Du das Pferd schonmal allein machen kannst und auch sehen kannst, ob es zeitlich und finanziell so passt oder nicht. Und wenn nicht, sei nicht traurig, Du findest schon das richtige. Gut Ding hat halt manchmal Weile. Ich kann grad auch ein Lied davon singen...

 

 

Pferd gefunden, Konditionen passen? Dann herzlichen Glückwunsch zur Reitbeteiligung und viel Spaß für den gemeinsamen Pferde-Reiter-Weg!