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Produkttest: Healthy Horses Habanero Maßstiefel

 

Hallo meine Lieben,

 

gestern haben meine geliebten Dressurstiefel von Healthy Horses eine neue Besitzerin bekommen. Ich bin gerade mal wieder am Ausmisten und habe mich von einigem Reitzubehör getrennt. Unter anderem auch von diesen Stiefeln. Kaum zu glauben, wie schnell sich eine Käuferin gefunden hatte. Die Preise, die man selbst mit gebrauchten Stiefeln noch erzielen kann, sind echt krass. Ein Blick auf die Kleinanzeigenseiten genügt. Aber die Nachfrage ist auf jeden Fall da und die Käufer sind gewillt, Preise von im Schnitt 200 bis 250 Euro für ein gebrauchtes Paar zu zahlen. Manche Stiefelpaare werden sogar noch teurer verkauft, je nach Zustand. Warum? Nun, Healthy Horses ist dank einiger Reiterkolleginnen auf Youtube und Instagram mittlerweile in aller Munde. Es ist in der jüngsten Vergangenheit ein regelrechter Hype darum entstanden. Natürlich stellt man sich da schon bei manch einem die Frage: "Sind die wirklich so gut?" Ein guter Grund für mich, mal Bilanz zu ziehen und meine Erfahrung mit diesen Stiefeln mit Euch zu teilen.  

 

Gleich vorweg: Nein, ich werde für diesen Beitrag nicht bezahlt oder gesponsort. Ich gebe nur meine Erfahrung weiter. ;)

 

Es gibt ja bereits ein, zwei Videos auf Youtube, die die Stiefelvorstellung zum Thema haben. Wenn man sich allerdings die Videos mal genau ansieht, merkt man, dass die Stiefel da noch nicht lang in Gebrauch sind/waren. Insofern finde ich es etwas schwierig, schon ausreichend über ein Paar Stiefel urteilen zu können, wenn man es grad mal ein paar Wochen benutzt hat. 

 

Ich hatte meine Stiefel seit Mitte 2015, also etwas über 2 Jahre. Sie wurden ursprünglich für eine Freundin angefertigt. Diese musste sie wegen ihrer Schwangerschaft hergeben und so zogen sie, kurz nachdem sie geliefert wurden, in meinen Spind um. Zum Glück hatte meine Freundin damals fast die gleichen Maße wie ich.

 

An der Stelle möchte ich erwähnen, dass ich vorher schon ein paar Bedenken hatte. Gut 480€ für ein Paar Reitstiefel schüttelt man im Regelfall nicht einfach so aus den Ärmeln. Darum habe ich mich schon gefragt, ob es sinnvoll ist, soviel Geld für eine damals noch nicht so bekannte Marke auszugeben oder ob ich mir lieber Maßstiefel bei den bekannten Herstellen ordern soll. Ich hatte mir kurz vorher erst meine Cavallo Passage Plus gekauft und war/bin sehr zufrieden mit deren Passform und Tragekomfort. Zum Vergleich: auch die haben 480€ gekostet, trotz "Stiefel von der Stange". Aber es sind eben auch Cavallos, wohlgemerkt. Maßstiefel dieses oder anderer bekannter Hersteller kosten ja auch noch eine Ecke mehr. Ich hatte bis dato auch noch nie etwas von Healthy Horses gehört und hatte daher auch keinerlei Vergleich bezüglich der Qualität. Wie ist die Passform? Wie ist das Material und die Verarbeitung? Werden sie halten, was versprochen wird?

 

Zudem verunsicherten mich die damals in Foren zu findenden Meinungen zu Healthy Horses, die  sehr unterschiedlich waren. Einige schworen auf die Stiefel, andere berichteten von Passformproblemen aufgrund von Messfehlern und schlechter Lederqualität. Aber gut, ich bekam von meiner Freundin die Möglichkeit, die Stiefel erst mal probeweise zu tragen. Und weil ich braune Reitstiefel so schön finde, musste unbedingt ein Paar her. So dachte ich mir, "gut, probier ich's einfach". Das Ergebnis ist bekannt: sie blieben bei mir. 

 

Bei meinen Stiefeln handelte es sich um das komplett geschnürte Modell Habanero in der Farbe seahorse old. Die Stiefel sind insgesamt eher schlicht gehalten. Kein Glitzer, kein Krokoleder, keine Poloschnalle, kein zusätzlicher Reißverschluss. Da die Stiefel fast ausschließlich für Training und Gelände gedacht waren, war das auch nicht nötig. Jedes Extra kostet nämlich auch extra Geld, was auf den Grundpreis draufkommt.

 

Ich kann sagen, die Stiefel waren für mich speziell im Sommer ein Segen! Wenn ich abends aus dem Büro komme, habe ich im Sommer immer so dermaßen angeschwollene Waden, dass ich die Reißverschlüsse an meinen Cavallos nicht mehr komplett zu bekomme. Insofern ist die Schnürung bei den Habaneros von Healthy Horses eine tolle Alternative, weil man damit ca. 1-2 cm  in der Weite variieren kann. An die Schnürerei gewöhnt man sich recht schnell. Hatte ich nicht gedacht. Ich bin ja gern mal die Ungeduld in Person, aber mit der Zeit hat man da echt Übung drin. Und die ganz Faulen haben ja immer noch die Option, einen zusätzlichen Reißverschluss einbauen zu lassen.

 

Vom Leder bin ich positiv überrascht. Meine Stiefel haben etwas stärkeres/steiferes Leder am Schaft. Darauf lege ich als Dressurreiterin einfach Wert und ich finde, das Leder kann auf jeden Fall mit dem anderer Hersteller getrost mithalten. Ich wische nach dem Reiten immer nur mit einem feuchten (!) Tuch über, pflege die Stiefel regelmäßig mit normaler Schuhcreme (in diesem Fall farblos, Erdal) und weicher Rosshaarbürste und alle 4-5x Putzen zusätzlich mit Schuhwachs, um das Leder zu imprägnieren. Auch nach über 2 Jahren hat das Leder nicht an Glanz oder Farbe verloren. An den Innenseiten habe ich kaum Abrieb. Klar, normale Gebrauchsspuren wie Gehfalten, Abdrücke von Sporen und -riemen haben sie natürlich. Aber sonst?!

 


 

Das Einzige, was ich grundsätzlich verbesserungswürdig finde, ist die Verarbeitung der Nähte vor allem im Bereich Fersenkappe hinten/Fischbein. Also der Bereich, wo der Schaft mit dem unteren Teil des Stiefels zusammengenäht ist. Das könnt ihr auf dem linken Foto unten sehen. Die Nähte bzw. das verwendete Garn finde ich im Vergleich zu anderen Herstellern doch ziemlich dünn. Hier merke ich nach 2 Jahren, dass das Garn in dem Bereich aufreibt und die Nähte sich langsam auflösen. Ein Nacharbeiten durch den Schuster ist dann fällig. Hier würde ich eher auf gewachstes und vielleicht auch etwas dickeres Garn setzen, das ist widerstandsfähiger und reibt nicht so schnell auf.

 

Im Gegensatz dazu sind die Schnürsenkel qualitativ sehr gut. Auch nach 2 Jahren kein Ausleiern oder ausfransen. So soll es sein. Mittlerweile bietet Healthy Horses ja auch bunte Schnürsenkel zur weiteren Individualisierung der Stiefel an.

 

 


 Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mit meinen Healthy Horses Stiefeln total zufrieden war.

 

Meine Freundin musste damals ca. 14 Wochen auf die Stiefel warten. Eine lange Zeit, aber so ist das bei Maßstiefeln einfach. Das Eintragen der Stiefel war Hölle - und ich meine Hölle! Die "Autsch"-Stellen sind eigentlich die gleichen wie bei anderen Herstellern auch, also vor allem Kniekehle (durch den hohen Dressurbogen) und Fußgelenk/Knöchel. Da muss man durch, bis sich die Stiefel einem angepasst haben. Aber dann sind sie ein Traum! So bequem zu tragen. Und dass ich die Farbe seahorse old einfach mega schön finde, muss ich glaube ich nicht extra erwähnen. So wird das nächste Paar wohl auch wieder dieses Modell in dieser Farbe werden. Wahrscheinlich dann doch mit zusätzlichen Reißverschluss. Man ist ja doch gern faul, irgendwie. ;)

 

Von den Maßen her konnte ich mich auch nicht beschweren. Dadurch, dass meine Freundin fast die gleichen Maße hatte, war die Passform auch bei mir wirklich gut. Zwar nicht perfekt - dafür muss ich dann eben wirklich ein neues Paar auf meine eigenen Maße fertigen lassen.

 

Mittlerweile habe ich auch kaum noch Schlechtes über Healthy Horses gehört. Die Firma hat ja mittlerweile an Bekanntheit zugelegt und entsprechend ist auch viel mehr Routine vorhanden, grad auch beim Ausmessen der Reiterbeine und -füße. Und wenn's mal wirklich ein Problem gibt, gibt es in den meisten Fällen auch eine zufriedenstellende Lösung. Ansonsten kann man ja vorab auch erstmal zu einer der Stiefelpartys gehen und sich vor Ort informieren.

 

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Healthy Horses die Stiefel von der holländischen Firma "Lipica Exclusief Rijlarzen" bezieht bzw. diese Firma der eigentliche Hersteller der Stiefel ist. Doreen von Healthy Horses übernimmt für Lipica hier in Deutschland quasi den Vertrieb und ist mit ihren Stiefelpartys landesweit unterwegs. Aktuelle Termine findet man auf der Homepage von Healthy Horses, wo es neben den Stiefeln auch noch andere interessante Dinge für Ross und Reiter gibt. Dort findet Ihr auch eine Übersicht über alle Stiefelmodelle sowie jede Menge Beispielbilder von Stiefeln und was da so möglich ist. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Es gibt jede Menge Lederfarben und -arten und schier unendliche Individualisierungsmöglichkeiten. Das Limit wird nur vom Geldbeutel des Reiters gesetzt.

 

So, das war mein Erfahrungsbericht zu diesen Stiefeln. Ich hoffe, ich konnte Euch heute einen angemessenen Eindruck vermitteln und sie werden ihrer neuen Besitzerin noch lange gut erhalten bleiben. Natürlich lasse ich Euch wissen, wenn ein neues Stiefelpaar bei mir einzieht. Seid gespannt!