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Sattelverkauf - eine Erfahrung für sich

Hallo meine Lieben, wer aufmerksam meine Instagram Stories verfolgt, der hat wahrscheinlich mitbekommen, dass ich meinen geliebten Dressursattel verkaufen will. Lord ist ja jetzt schon über anderthalb Jahre nicht mehr unter uns. Und zum Rumhängen im Keller ist mein Sattel allemal zu schade. 

Ich hatte anfangs lange mit mir gehadert, ob ich meinen Sattel wirklich verkaufen möchte. Es hat immerhin lange genug gedauert, ihn zu finden. Unglaubliche 9 Sättel hatte ich zum Probereiten da. Beim Probesitzen/Anschauen ohne Pferd waren es noch mehr. Schließlich war der Otto Schumacher Profi Exklusiv der einzige Sattel, der sowohl Lord und mir gleichzeitig passte. Die anderen passten meist ihm schon nicht optimal - trotz Empfehlung durch diverse Sattler. Hätten also für teuer Geld erst „umgebaut“ werden müssen. Und die, die ihm passten, waren mir zu unbequem beim Reiten. Letztendendes fanden wir dann aber doch das Passende und das auch noch zu einem vernünftigen Preis.

 

Entsprechend ungern wollte ich ihn wieder hergeben. Aber es nutzte ja nichts. Lord war tot und wer wusste schon, ob mein Sattel dem nächsten Pferd überhaupt passt. Also entschied ich Mitte 2016:  Weg damit.

 

Nun könnte man ja meinen, ein gut erhaltener, qualitätvoller Markensattel würde sich verkaufen wie geschnitten Brot. Nix da. Wie man sieht, habe ich ihn immer noch. Und das liegt jetzt nicht daran, dass ich ihn nicht hergeben möchte. Nur hat so ein Sattel, wenn auch gebraucht, ja trotzdem immer noch einen gewissen Wert. Und ich rede hier nicht von den billigen zigfach verstellbaren Sätteln mit Plastikbaum. Ihr wisst schon. Nein. Ein Schumacher ist ein Schumacher ist nunmal ein teurer Sattel. Neupreis um die 2.500 Euro, je nach Modell. Blank. Ohne was dran. So einen Sattel verramscht man nicht für 200 Öcken. Auch wenn er schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Wie sagt mein Sattler so treffend: Ein Sattel hat kein Alter, er hat einen Zustand!

 

Und wenn dieser Zustand gut ist, mal ehrlich: Warum soll ich ihn dann für Äpfel und Eier oder wahlweise auch Kamele hergeben wollen? Ich habe schließlich auch genug dafür gelöhnt, habe ihn immer gepflegt und gehütet wie meinen Augapfel.

 

Deswegen habe ich leider so überhaupt kein Verständnis für Leute, die mir dafür noch 200, maximal 300 Euro bieten. Am besten fahre ich ihn dann auch noch 200 km zur Interessentin. Und wenn er nicht gefällt oder passt, wieder zurück. Weil geschickt haben wollen sie ihn nicht, denn dann könnten sie ihn nämlich nicht zurückgeben. Das habe ich extra so in meiner Anzeige vermerkt: Wenn Versand, dann gekauft wie gesehen, ohne Rückgaberecht. Basta. Ich lasse doch keinen so teuren Sattel zigmal quer durch die Republik reisen und habe ihn dann am Ende womöglich in einen total verranzten, nicht mehr verkaufbaren Zustand wieder bei mir. Nö.

 

Tja und so hofft man auf Käufer, die eben halbwegs lokal sind. In einem moderaten Umkreis zur Anprobe vorbeibringen finde ich ja kein Thema und notfalls würde ich ihn ja auch gegen Kaufpreishinterlegung mitgeben. Rückgabe dann natürlich nur in tadellosem Zustand wie mitgegeben. Sonst Pech gehabt. Aber selbst hier finden sich nur wenige, die die Qualität und den Wert des Sattels zu würdigen wissen. Die meisten versuchen den Preis zu drücken, noch bevor sie den Sattel überhaupt in natura gesehen haben. Ich frage mich, welchen Teil von „nicht verhandelbarer Festpreis“ die Leute nicht verstehen? Wer ganz frech daherkommt, bekommt dann von mir auch mittlerweile schonmal nahegelegt, dass ein alter Wintec vielleicht eher seine Preisklasse ist. Auf manche Anfragen reagiere ich mittlerweile auch gar nicht mehr. Solch ein Kindergarten, den manche veranstalten, ist mir einfach zu blöd.

 

Gott sei Dank bin ich nicht allein mit dieser Erfahrung. Auf FB lese ich regelmäßig wie andere Reiter über das Thema Sattelkauf berichten und genau die gleichen Erfahrungen machen (müssen) wie ich. Ich frage mich nur, warum ist das so? Ist unsere Gesellschaft denn so sehr auf „Geiz ist geil“ aus, dass man auf Teufel komm raus versucht, Preise zu drücken? Wenn Verkäufer da nicht mitmachen wie Interessent es gern hätte, manche auch direkt beleidigend und ausfallend werden müssen? Oder man hat solche, die sich nach einem knappen „ja“ auf ihre „Noch da“-Anfrage never ever wieder melden. Auch gut. Die haben wohl zuviel Zeit und nix tu tun, um uns Verkäufern auf die Nerven zu gehen. Mal ehrlich - was soll ich auf „noch da“ denn auch antworten außer „ja“? Frage - Antwort. Simple as that! Ich schreibe doch keine Romane für nix und wieder nix.

 

Daher mein Appell an alle Sattelkauf-Interessenten: Bitte bleibt doch gesittet! Fragt nur an, wenn ihr tatsächlich Interesse habt. Sonst lasst es bitte bleiben. Wisst um den Wert eines Sattels. Es gibt Modelle, die bekommt man leider nicht für ein Taschengeld. Ist so. Sucht also bitte erst gar nicht danach, sondern bleibt bei Modellen, die eurem Budget entsprechen. Einen Sattel, der für 800 Euro inseriert ist, wird mit Sicherheit nicht auf 400 Euro runterhandelbar sein. Es sei denn, er wurde irgendwo gestohlen und muss schnellstmöglich verhökert werden. Oder er ist kaputt. Bleibt bitte anständig, wenn ihr mit dem Verkäufer kommuniziert. Gerade weil ihr ihn/sie nicht kennt. Frechheit siegt hier leider nicht, sondern verschließt euch nur Tür und Tor. Und sprecht am besten vorher mit eurem Sattler, ob er das ins Auge gefasste Modell für euer Pferd empfehlen kann. Kein Verkäufer hat Lust kilometerweit durch die Botanik zu fahren, wenn eigentlich schon von vornherein klar ist, dass der Sattel gänzlich ungeeignet für Käufer’s Pferd ist. Das spart allen Zeit und Nerven.

 

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. ;)