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Dressurlehrgang bei Rolf Petruschke am 16.11.2017

„Möchtest Du gern einen Lehrgang reiten?“ fragte mich Funkys Besitzerin kürzlich. Sie hatte vor ein paar Wochen selbst an einem Dressurlehrgang bei Rolf Petruschke teilgenommen. Nun war der Ausbilder für einen Tageslehrgang nochmal in der Gegend und ich nutzte die Gunst der Stunde.

 

Denn wann hat man schon die Gelegenheit, bei einem so guten und namhaften Ausbilder mal unter Anleitung zu reiten? Rolf Petruschke, Berufsreitlehrer und Pferdewirtschaftsmeister, ist in unseren Breitengraden eine Institution. Er war 15 Jahre lang Ausbilder in der Landesreit- und Fahrschule in Dillenburg. Seit 2007 lehrt er zudem an der Hochtaunusschule im Fachbereich „Pferdewirt/in“.

 

Lehrgänge bin ich mit meinen früheren Pferden auch schon geritten. Daher wusste ich grob, was auf mich zukommt und wie der Ablauf bei einer solchen Veranstaltung ist. Und trotzdem ist es immer wieder spannend: anderer Hof, andere Halle. Wie wird Funky reagieren? Findet er wieder irgendwo irgendwelche Hallengeister? Glotzt er bei den Zuschauern? Und vor allem: macht er brav mit oder werden wir uns bis auf die Knochen blamieren? Wenn ich einen Lehrgang reite, möchte ich ja was lernen bzw. Tipps bekommen, wie ich mich in manchen Dingen verbessern kann. Aktuell sind unsere beiden Baustellen eine konstante, vertrauensvolle Anlehnung bzw. „an-den-Hilfen-stehen“ und mein Sitz auf der rechten Hand, bei dem ich oftmals immer zu weit links sitze und dadurch komplett schief werde. Zu Hause arbeiten wir schon daran und es wird Schritt für Schritt besser. Was wird Herr Petruschke dazu sagen?

 

Der Tag beginnt für mich um 6:30 Uhr. Aufstehen, fertigmachen, Auto packen. Hab ich auch alles dabei? Stiefel, Gerte, Helm, Handschuhe. Meine Abschwitzdecke muss mit. Die Eskadron-Schabracke ist nicht gewaschen. Macht aber nix. Auf geht’s zum Stall. Ich bete, dass sich Funky gestern Nachmittag auf dem Paddock nicht eingesaut hat. Ich habe Glück, das Pferd steht halbwegs sauber in der Box. Stallbesitzerin Anja hat schon den Hänger parat gestellt. Sie kommt heute mit ihrer Stute mit. Ich bin also nicht ganz allein in fremder Umgebung. Wir putzen die Pferde, decken ein, verstauen unsere Sachen in Auto und Hänger. Rein mit den Pferden. Funky trottet brav in den Hänger. Erster Step geschafft. Es ist 8:15 Uhr, wir liegen im Zeitplan.

 

Gute 20 Minuten später kommen wir auf dem Hof an. Es ist noch genug Zeit, daher lassen wir die Pferde für einen Moment auf dem Hänger und gehen erstmal Hallo sagen. Herr Petruschke ist derweil schon mit der ersten Lehrgangsteilnehmerin zugange. Es ist kalt, er hat sich dick eingepackt, wie wir alle an dem Morgen. Die Stute, die gerade in der Halle läuft, dampft schon ordentlich. Die Reiterin schnauft. Nach einer Weile gehe ich ausladen. Funky ist brav, guckt interessiert, aber ist trotzdem cool. Die Halle ist schön groß und hell; man reitet sich nicht im Weg rum. Während die Dame vor mir konzentriert unter Anleitung reitet, mache ich mich und Funky schonmal warm. Er entdeckt derweil die ersten Hallengeister. Ein andersfarbiges Brett in der Bande lässt ihn einen ordentlichen Satz machen. Egal. Weiter im Text. Schon während des Warmreitens kommen die ersten Kommentare von Herrn Petruschke in unsere Richtung. „Fleißiger Schritt reiten! Ruhig mal Außenstellung an der langen Seite!“ Er scannt uns schonmal ab. Funky ist heute unterm Sattel eher unwillig, geht gegen die Hand und findet alles außenrum interessanter als mich. Na toll! Als wir dran sind, kommt auch prompt Feedback. „Lass den nicht so schlurfen während der Lösungsphase, reit ihn noch mehr vorwärts.“ Herr Petruschke benennt als wichtigste Baustelle mein Sitzproblem auf der rechten Hand. Er entscheidet, heute nur und ausschließlich am Sitz zu arbeiten. Das mit der Anlehnung lassen wir heute komplett außen vor. „Das machen wir ein andermal“, lacht er.

 

Und so drehe ich meine Runden in der Halle, hauptsächlich in Schritt und Trab. Mit Knopf im Ohr, an welchen ich mich zusätzlich erst noch gewöhnen muss. Damit hatte ich bislang noch nie eine Reitstunde und entsprechend groß war das Gefriemel, das Ding erstmal ins Ohr zu bekommen.  Der Zügel ist tendenziell etwas zu lang; Funky findet das toll. Ich eigentlich nicht, aber es geht heute ja in erster Linie darum, dass ich vom Sitz her flexibler und entspannter, gleichzeitig noch balancierter werde. Herr Petruschke findet meinen Sitz zu „statisch“. Also soll ich erstmal auf dem Zirkel traben und mich dabei immer wieder klein und rund machen und daraus wieder aufrichten und groß machen. Immer schön im Wechsel, ganz langsam. Dabei die Beine noch länger lassen. Absatz soll Richtung Hallenboden, mehr durchfedern. Auf der rechten Hand dann das gewohnte Bild wie immer: ich sitze prompt zu weit nach links. „Rechte Schulter weiter nach hinten, linke Schulter vor! Nimm mal die rechte Hand weiter nach außen Richtung Knie! Guck hinter Dich Richtung rechtes Hinterbein! Soooooooooo!“ schallt es aus dem Ceecoach.

 

 


 

Zwischendurch dürfen wir locker galoppieren. Der Lehrgang ist anstrengend, aber motivierend. Herr Petruschke sieht jedes noch so kleine Detail. Mogeln ist nicht, Fehler werden sofort angesprochen. Bemerkenswert ist aber: während ich mich völlig auf mich konzentriere und mit langem (nicht hingegebenen!) Zügel reite, dehnt sich Funky immer mehr ans Gebiss ran, ohne dass ich groß etwas dafür tun muss. Er schnaubt zufrieden ab, lässt Kopf und Hals fallen. Zumindest so lange, bis wieder ein Geist in der Hallenecke entdeckt wird. Diesmal ist es der Traktor, der mit dem Kehraufsatz draußen vorm geschlossenen Hallentor vorbeirattert.

 

Nach einer halben Stunde haben wir es geschafft. Funky dampft, ich friemel den Ceecaoch wieder aus dem Ohr. Das Feedback von Herrn Petruschke ist klar: „Konzentrier Dich jetzt die nächste Zeit ausschließlich auf Dich und Deinen Sitz. Nur so kannst Du das verbessern. Nimm auch immer mal wieder Sitzlonge dazu. Das empfinden viele Reiter als Rückschritt, aber das ist so wichtig. Lass den vorne erstmal in Ruhe, schau nur, dass er immer leicht gestellt ist. Achte drauf, dass er fleißig vorwärts geht. Tick ihn immer mal wieder an, dass die Hinterhand aktiv bleibt. Und schau, dass Du am besten mehrmals die Woche Unterricht reitest. Es ist besser, zwei- oder dreimal die Woche ca. 20-30 Minuten statt einmal die Woche eine volle Stunde.“ Zusätzlich soll ich öfter mal im leichten Sitz mit kurzen Bügeln reiten. Mein Arbeitsauftrag für die Wintersaison steht damit. Dieser blöde Sitzfehler muss endlich ausgemerzt werden.

 

Nach mir ist noch Anja mit ihrer Stute dran. Ich stelle Funky derweil wieder auf den Hänger und schaue dann noch ein wenig beim Lehrgang zu. Funky steht brav und mümmelt am Heunetz, guckt zwischendurch immer mal durch das Türchen vorn raus. Ich bin begeistert ob eines so braven Pferds. Lord hätte schon zehnmal versucht auszusteigen oder wahlweise den Hänger zu demontieren. Gegen Mittag treten wir dann wieder die Heimreise an. 

 

Ich war recht zufrieden, habe mir viele gute Tipps und Ansätze für unsere Arbeit mitnehmen können. Manchmal muss man als Reiter erstmal wieder „back to basics“ gehen, bevor man an den Feinheiten arbeitet kann. So ist es auch bei uns. Bevor mein Sitz nicht verbessert ist, brauche ich an die anderen Baustellen gar nicht zu denken. Nächstes Jahr möchte ich auf jeden Fall wieder einen Lehrgang bei Herrn Petruschke reiten und hoffe, dann einen Schritt weiter zu sein.