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VERO – DIE NEUE PLATTFORM FÜR REITSPORTBLOGGER?

In den letzten Wochen wurde kaum eine neue App so unglaublich gehypt wie Vero. Die App soll eine „echte“ Alternative zu Instagram sein – alles viel besser, ohne Algorithmus, werbefrei. So verspricht man es jedenfalls in zig Blogbeiträgen von Fashion-, IT- und sonstigen Bloggern. Alle berichten, wie toll Vero doch sei und was man alles damit machen kann. Ist das wirklich so? Oder hat hier nur geschicktes Influencer-Marketing stattgefunden?

 

Anspruch und Realität

 

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Die Realität sieht – zumindest aktuell – leider nach Letzterem aus. Im aktuell gelaunchten Zustand ist die App nämlich meiner Meinung nach eine schiere Katastrophe. Ich dachte mir, „ach komm, schau es Dir einfach mal an, vielleicht ist es ja was Brauchbares.“ Early Adopter und so. Man muss als Blogger ja mit der Zeit gehen. Das Downloaden im App Store ist noch das Einfachste. Für die ersten 1 Mio. User gibt’s die App angeblich gratis, der Rest darf dann anscheinend zahlen. So liest man es zumindest. Was dann allerdings die jährliche Nutzergebühr sein wird – darüber schweigt man sich bei Vero bislang noch aus.

 

Zwingende Angabe der Telefonnummer

 

Also gut, App runterladen und nun? Wie bereits einige Bloggerkollegen und User auf Instagram berichten, gibt es massive Probleme allein beim Registrieren. Die App schmiert alle naselang ab oder hängt sich auf. Auch ich habe es mehrfach probiert, bis die App halbwegs stabil lief, um den Registrierprozess zu starten. Doch dann: Moment mal – warum um alles in der Welt will Vero zwingend meine Telefonnummer, wenn sie doch schon meine Mailadesse haben? „Damit sich andere mit Dir verbinden können“, erklärt die App lapidar. Also mal ehrlich, wenn es dazu eine Telefonnummer braucht, kann ich die auch gleich irgendwo öffentlich stellen. Dann kann sich nämlich jeder ganz bequem DIREKT ohne App mit mir „verbinden“. Will ich das? Nein. Völlig unnötig. Nennt mich altmodisch, aber ich gehöre nicht zu Leuten, die mit Ihrer Telefonnummer um sich schmeißen. Die haben nur wenige ausgesuchte Personen. Selbst bei Facebook ist das Angeben einer Telefonnummer höchstens optional. Datenabgriff lässt grüßen, und genau das verspricht die App doch eigentlich nicht zu tun. Wozu also die unnötige Angabe, wenn sie doch sowieso nicht sichtbar ist? Instagram kommt auch ohne aus. Vero rechtfertigt, dass Telefonnummern nicht so leicht zu fälschen seien wie Mailadressen. Warum macht man die Registrierung dann nicht gleich über die Telefonnummer und lässt die Mailadresse raus? Und bitte: Auch Telefonnummern lassen sich heutzutage wunderbar faken, das ist also kein wirklich ernsthaftes Argument.

 

Wem gehören die Bilder?

 

Ein weiteres Thema habe ich kürzlich durch eine andere Instagram-Nutzerin erfahren: Es geht um das Thema Bildrechte. Wer sich die AGB mal genau durchliest, der erfährt, dass zwar nicht Vero die Rechte an euren Bildern bekommt, wohl aber jeder andere User. Heißt im Klartext: Ihr gebt mit dem Post das Recht an eurem Bild an die Allgemeinheit ab und jeder kann mit euren Bildern machen, was er will! Ist das toll? Nein. Bei Facebook und Instagram ist es zumindest so, dass eben Facebook und Instagram an den Bildrechten teilhaben. Natürlich könnten also auch die Unfug damit treiben. Doch wenigstens hat man EINE gezielte Firma, die man notfalls verklagen kann. Wen will man im Falle Vero verklagen? Kann man nicht, denn das Bild „gehört“ einem ja nicht mehr und man muss damit leben, dass jeder nach Gutdünken die Bilder teilen oder anderweitig verwerten kann, durchaus auch im negativen Sinne. Gerade Fotografen oder Firmen, die Bilder auf Vero veröffentlichen, werden damit schlimmstenfalls Probleme bekommen. Man muss sich also jedesmal vorher ganz genau überlegen, was man postet. Das schränkt den Nutzerspaß doch ungemein ein. Wieso kann man die Bildrechte nicht einfach bei dem Nutzer oder der Nutzerin lassen, dem/der das Bild tatsächlich gehört? Wieso soll es der Allgemeinheit gehören? Was bringt das, außer Ärger? Vielleicht hätten die Vero-Macher sich erstmal ordentlich rechtlich beraten lassen sollen, bevor sie so etwas einfach mal festlegen.

 

Performance nicht ausreichend

 

Mal ganz davon zu schweigen, dass die App an sich auch im Betrieb einfach nicht stabil läuft. User berichten fast täglich von Abstürzen, Löschungen und dergleichen. Ernsthaft, liebe Vero-Macher: Bevor man eine App launcht, sollte man doch bitte mal testen, dass die versprochene Funktionalität im Real-Life-Betrieb auch wirklich gegeben ist. Da nutzt sonst auch der größte Hype mit namhaften Influencern nix. So wie die App jetzt performt, ist das leider völlig inakzeptabel und einfach nur blamabel. Liegt es an den Servern? Liegt es an der Programmierung? Oder „soll das halt einfach so“? Sind die ersten 1 Mio. User, die die App gratis downloaden können, also nur Versuchskarnickel eines Produkts, das zu früh auf den Markt gebracht wurde und man eigentlich leider noch als Beta-Version bezeichnen müsste? Man weiß es nicht.

 

Fazit

 

Vero und ich werden zumindest in der nächsten Zeit keine Freunde! Die App beinhaltet zu viel Nachbesserungsbedarf. Und wirft rechtlich zu viele Fragen auf. Einerseits werden unnötige Datenangaben für die Registrierung gebraucht. Andererseits will Vero selbst nichts mit den Bildrechten zu tun haben, überträgt sie aber quasi per Generalvollmacht an Hinz und Kunz. Sollen sich die Nutzer im Zweifelsfall doch selber drum streiten. Man fragt sich, was das soll. Wenn die Fehler behoben und das Rechtethema zufriedenstellend geklärt sind, starte ich gerne einen neuen Versuch. Zum aktuellen Zeitpunkt jedoch überzeugt mich die App leider gar nicht und sie ist auch direkt wieder von meinem Handy runtergeflogen.

 

Bild: Pixabay/rawpixel
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