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Bin ich jetzt ein Influencer?

Wer meinen Beitrag über das BALVE OPTIMUM gelesen hat, der weiß, dass ich dort als Teilnehmer des so genannten „Influencer Points“ dabei sein durfte. Darauf und auf die zugehörigen Posts auf meinem Instagram Account kam von einigen Leuten nun die Bemerkung oder Frage „Bist Du jetzt auch ein Influencer?“ Grund genug, mal drüber nachzudenken: Bin ich das jetzt? Echt?

 

Definiere „Influencer“!

 

Zunächst mal, was ist denn ein Influencer überhaupt? Was genau tut der? An sich ist der Begriff nicht geschützt. Es ist keine Berufsbezeichnung oder dergleichen, obwohl die jungen Leute heute millionenfach gern von Beruf „Influencer“ wären. Ein Influencer – wie der Name schon sagt – beeinflusst Leute bezüglich ihres Denkens oder Handelns. Sei es mit seiner (oder anderer) Meinung, mit Werbung für Produkte, mit Ratschlägen und Fachgesimpel, etc. Ob man nun nur eine einzelne Person beeinflusst oder hunderttausende, ist erstmal irrelevant. Wenn ich also meine beste Freundin davon überzeuge, zum Beispiel ein bestimmtes Paar Schuhe zu kaufen oder ihr einen Ratschlag bezüglich irgendeiner Angelegenheit gebe, dann bin ich genaugenommen schon ein Influencer, denn ich nehme in irgendeiner Art und Weise Einfluss auf sie. Fazit: es kann sich quasi jeder Influencer nennen, denn wir beeinflussen alle unser Leben gegenseitig. Dazu muss man noch nicht mal in Sozialen Medien aktiv sein.

 

Warum Influencer sein wollen?

 

Es wollen also viele gerade junge Leute unbedingt Influencer werden. Denn durch die Sozialen Medien entsteht schnell der Eindruck, dass das ein lukrativer Job ist und man damit Multimillionär werden kann. All denjenigen, die das glauben, kann ich gleich mal den Zahn ziehen: Die wenigsten Influencer können wirklich davon leben oder gar reich werden. Bis man überhaupt einmal von den relevanten Agenturen oder direkt von Firmen entdeckt wird, dauert das schonmal. Schlimmstenfalls kommt so ein Kontakt auch nie zustande. Denn es gibt ja Anwärter wie Sand am Meer. Wer da nicht aus der Masse raussticht, geht unter. Alternativ gibt es Plattformen für Kooperationen, wo man sich kostenlos registrieren kann. Aber selbst dann ist man erstmal einer von vielen und bekommt nicht direkt die Kooperationen zugeschustert, sondern muss sich erstmal jeweils darum bewerben. Ohne Garantie, dass man tatsächlich genommen wird.

 

Wenn man Glück hat, ist man mit seinem Kanal (Blog, Twitter, Instagram, Facebook usw.) irgendwann mal so groß und bekannt, dass die Agenturen auf einen zukommen oder man zumindest dort mal Gehör bekommt, wenn man selbst an die Türe klopft. Dann ist man also (laut gängiger Definition) also auch „offiziell“ Influencer. Das heißt aber immer noch lange nicht, dass man damit Geld verdient. Meist bekommt man dann und wann kostenlos Produkte zur Verfügung gestellt, die man dann mit (sponsored) Posts, Blogbeiträgen, Instagram Stories und dergleichen für den jeweiligen Hersteller bewirbt. Gesonderte Vergütung für den ganzen Arbeitsaufwand gibt es oft erstmal nicht.

 

Wirklich verdienen, also ein zusätzliches angemessenes Honorar verlangen, können oft nur die größeren Player im Geschäft. Bis man mal so weit ist, fließt eine ganze Menge Wasser den Main runter! Anfangs ist es also vor allem für die Agenturen und die Firmen lukrativ. Die Blogger selbst haben außer dem gesponsorten Produkt erstmal nicht viel. Man muss sich also wirklich auch überlegen, für was man wirbt bzw. welchen Job man annimmt. Immerhin: Fotos wollen inszeniert, geschossen, ausgewählt und bearbeitet werden. Beiträge wollen verfasst werden. Dann muss das Ganze ja auch auf die Website. Eine Instagram Story oder ein YouTube-Video sind auch nicht gerade „unaufwändiger“. Jetzt rechnet mal die ganze Zeit, die ihr reinsteckt. Ggf. braucht es auch noch zusätzliches Equipment, Requisiten (z.B. Fotohintergründe), das kostet zusätzlich Geld. Je nach Arbeitsaufwand und (fiktivem) Stundensatz ist man locker bei einem oder sogar mehreren hundert Euro Kosten für den Job. Will man den dann wirklich machen, wenn man „nur“ ein Fliegenspray für 19,99 € bewirbt?

 

Also doch lieber nicht?

 

Okay, das ging jetzt schon ziemlich ins Detail, aber ich möchte einfach damit verdeutlichen, dass es gerade in der Anfangszeit ein Verlustgeschäft oder bestenfalls eine Nullnummer ist, Influencer zu sein. Zumindest, wenn man die Absicht hat, damit Geld zu verdienen. Wem es genügt, kostenlose Produkte abzustauben (das sind dann meist diejenigen, die noch zu Schule gehen und denen das Wort „Äquivalenzwert“ nichts sagt und auch nichts bedeutet), dann ist das auch in Ordnung. Alle anderen müssen sich auf jeden Fall einen langen Atem, Geduld und Sitzfleisch zulegen. Und in Kauf nehmen, dass man die ersten Jahre als Influencer erstmal aufwandsmäßig draufzahlt, bevor man bekannt und „groß“ genug ist, um damit ernsthaft Geld zu verdienen. Immerhin sind die "kostenlosen" Produkte steuerrechtlich auch als Einnahme zu sehen und müssen entsprechend versteuert werden.

 

Wer das Glück hat, in Bloggeragenturen/-netzwerke aufgenommen zu werden, hat andersrum aber auch den Vorteil, damit seine Bekanntheit zu steigern: Es winken Einladungen zu Events, man wird der Öffentlichkeit „professioneller“ präsentiert, baut sein Netzwerk mit anderen Bloggern/Influencern aus. Im Gegenzug

muss man sich aber auch klarmachen, dass man dann eben auch immer mehr zu einer öffentlichen Person wird, mit positiven als auch negativen Konsequenzen. Wer mit Kritik schwer umgehen kann, wird damit seine Probleme bekommen. Stichwort: Hater! Man sollte sich also im Klaren drüber sein, dass man mit steigender Bekanntheit auch angreifbarer wird und unter ständiger Beobachter durch die Follower (und Hater) steht. Ein dickes Fell im Bezug auf entsprechende Kommentare sollte man sich also rechtzeitig zulegen.

 

Bin ich nun ein Influencer?

 

Ich persönlich sehe mich nüchtern betrachtet aktuell nicht als Influencer. Zumindest nicht im kommerziellen Sinne. Ja, ich schreibe Produkttests wie den über den Leovet Huffestiger oder meine Maßreitstiefel. Aber weder verdiene ich damit Geld, noch bewege ich damit die breite Masse. Zugegeben, ich werde noch immer oft wegen dem Thema Stiefel angesprochen. Viele Leser dieses Blogs wollen dann doch noch gezielter Details wissen. Der Beitrag ist nach wie vor einer der meistgelesenen auf diesem Blog! Die Teilnahme am Influencer Point im Rahmen des BALVE OPTIMUM war für mich eine absolute Premiere. Aber auch andere Blogger/Instagrammer, die ich an diesem Event kennengelernt habe und die schon bekannter als ich sind, sehen sich nicht als „richtige“ Influencer und auch die machen (noch) nicht das große Geld. Müsste ich mich auf eine „magische Grenze“ festlegen, würde ich mal vorsichtig schätzen: so ab 100k Followern aufwärts kann man sich wirklich als Influencer zählen. Alles andere sind nur kleine Fische. Das hat wiederum zur Folge, dass manche zu unlauteren Mitteln (Followerkauf, Instagram-Bots usw.) greifen, um ihre Bekanntheit zu pushen. Dass davon eigentlich niemand wirklich was hat (außer die Firmen, die diese „Dienste“ anbieten), werde ich bei Gelegenheit nochmal näher erklären. Ich für meinen Teil bin also nach wie vor in erster Linie Hobby-Blogger und bleibe in der Hinsicht auch einfach entspannt. Wenn sich Kooperationen ergeben, ist das natürlich toll. Aber alles zu seiner Zeit!

 

Bilder: pixabay/rawpixel

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