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Winterarbeit: So kommt keine Langeweile auf

Schneller als gedacht geht die schöne Jahreszeit vorbei und der Winter ist da. Konnten wir noch im Sommer ausgiebig auf dem Platz und im Gelände das schöne Wetter und angenehme Temperaturen genießen, verderben uns Dunkelheit, trübes Wetter, Regen und Kälte den Spaß. Vielen bleibt dann nur die Reithalle. Die Reiteinheiten werden oft eintönig, da wir gern den Winter nutzen, um hier schon die Grundlagen für die kommende Turniersaison zu legen. Da werden dann Lektionen immer und immer wieder gepaukt oder Standardparcours geübt, um optimal für's erste Turnier im neuen Jahr vorbereitet zu sein.

Pferd Friese Winter Ausritt Schwarze_Perle Winterarbeit Reiten

 

Aber seien wir mal ehrlich: Spaß ist ja eigentlich was anderes! Und dabei ist Spaß doch so wichtig für Reiter und Pferd, um motiviert zu bleiben. Abwechslung ist also unabdingbar. Wer mich kennt, der weiß, dass für mich Spaß und Abwechslung im Training an oberster Stelle steht. Und das nicht nur im Winter, sondern das ganze Jahr über! Deswegen möchte ich euch heute im Rahmen der Equnity Blogparade einen kleinen Einblick geben, was ich mache, damit Langeweile im Winter (und auch sonst über's Jahr) erst gar nicht aufkommt. Ich nutze ganz verschiedene Elemente, die ich je nach Wetter, Platzangebot, Tageszeit usw. variiere. Bei beiden Reitbeteiligungen habe ich das Glück, sowohl Halle und Reitplatz sowie auch bei Xeron ein Roundpen zur Verfügung zu haben. Beide Höfe verfügen außerdem über ein tolles Ausreitgelände. Daher versuche ich so gut wie möglich auch alles davon zu nutzen. Und diese Elemente baue ich in meine Winterarbeit mit ein:

 

 

Dressureinheiten

 

Ich bin hauptsächlich Dressurreiterin und so trainiere ich das ganze Jahr über natürlich auch vorwiegend in diesem Bereich. Dressur ist mehr als nur "hübsches Gestrampel". Dressur ist für alle Pferde wichtig, denn sie bildet die Grundlage zur Gymnastizierung des Pferds. Gerade im Winter arbeite ich gern an "der Basis". Also daran, dass die Anlehnung konstant wird (und bleibt). Daran, dass das Pferd sich schön ans Gebiss dehnt und reell über den Rücken läuft. Und ich selbst arbeite natürlich an meinem Sitz, denn da schleichen sich gern Fehler ein und die müssen immer wieder korrigiert werden. Ich habe letzten Winter schonmal über eine Sitzschulung bei einem Lehrgang berichtet, wer's nochmal nachlesen will, schaut mal hier nach. Erst wenn die Basis stimmt, kann ich an die Erarbeitung von Lektionen gehen. Ganze Aufgaben reite ich eher selten. Bei der Dressurarbeit achte ich darauf, wie das Pferd an dem Tag drauf ist und was es mir anbietet. Und darauf, dass die Einheit nicht zu eintönig wird und ich genügend Pausen einbaue.

 

 

Longieren

 

Es gibt Tage, da ist die Halle einfach vollgestopft mit zig Pferden. Da möchte ich mich dann nicht auch noch mit reinquetschen. Deshalb verkrümle ich mich an solchen Tagen ganz gern ins Roundpen zum Longieren. Je nach Tagesverfassung schaue ich dann, was und wie ich longiere. Es gibt Tage, da darf das Pferd gemütlich am Halfter oder Kappzaum kreiseln, an anderen möchte ich es "richtig" arbeiten und binde es dazu an der Trense locker aus. Und wenn es ganz motiviert ist, nehme ich auch gern noch Stangen dazu. Bei meinem Longierabzeichen habe ich von der Lehrgangsleiterin viele praktische Tipps erhalten, die ich mir immer wieder versuche ins Gedächtnis zu rufen. Etwas, was ich gern demnächst wieder vermehrt angehen möchte, ist die Doppellonge. Aber da werde ich mir erst professionellen Beistand suchen, denn momentan habe ich da noch zwei "linke Hände" und bin mir mit der Doppellonge ziemlich unsicher. Ich möchte schließlich auch nichts verkehrt machen. 

 

 

Stangen- und Cavalettiarbeit

 

Ob in Kombination mit der Longe oder klassisch vom Sattel aus geritten: Stangen und Cavalettis sind für mich ein gern genommenes Hilfsmittel. Sie machen Spaß, lehren das Pferd die Füße zu heben und den Rücken aufzumachen. Sie sind ein gutes Krafttraining für den Pferdebobbes und fördern Schwung und Eleganz in den Gangarten. Vorausgesetzt, man hat das passende Pferd dazu. Bei Romeo geht das ganz gut, er geht da gern drüber. Xeron ist eher so das Modell "Dampfwalze", der statt drüberzutreten einfach mal beherzt drauftritt. Daher nehme ich momentan erstmal nur eine Stange und werde das dann nach und nach ausbauen, wenn er das Prinzip "Stange" verstanden hat. Neben der klassichen Variante könnt ihr auch gern mal Stangen-Patterns aus dem Westernreiten probieren oder auch auch "Stangensalat", also wahllos übereindergelegte Stangen, durch die sich das Pferd am langen Zügel selbst einen Weg suchen muss. Das fördert die Konzentration und ist macht den Pferden viel Freude.

 

Ausritte

 

Einfach mal die Seele baumeln lassen. Entspannt dahinschlendern oder auch mal einen gepflegten Renngalopp einlegen und die ganze aufgestaute Energie rauslassen: egal wie, Ausritte sind toll und eine willkommene Abwechslung für Reiter und Pferd. Wer mag, kann Ausritte auch prima nutzen, um hin und wieder ein paar Dressurlektionen einzubauen. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Auf dem Waldweg etwas Schulterherein, Rückwärtsrichten an einem umgefallenen Baumstamm, Tempiwechsel auf der Trab- oder Galoppstrecke sind nur ein paar Beispiele, wie ihr euer Pferd im Gelände dressurmäßig beschäftigen könnt. Viele Pferde sind im Gelände auch durchlässiger als in der Bahn, da sie draußen entspannter sind. Und ins Gelände könnt ihr ruhig auch bei Regen gehen. Die meisten Pferde gehen nämlich sehr gern im Regen raus. Probiert es einfach mal aus! Gegen die Kälte hilft fürs Pferd eine Nieren-/Ausreitdecke und wir Reiter packen uns in einen warmen Reitmantel, der idealerweise auch gegen Regen imprägniert ist und Thermostiefel. Und schon kann's losgehen!

 

 

Arbeit an der Hand

 

Die Arbeit an der Hand ist für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln. Und ich muss gestehen: auch ich fange gerade erst damit an. Es ist auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung und Alternative zum Reiten. Die Gründe, warum mein sein Pferd an der Hand arbeitet, sind vielfältig: als Abwechslung im Training, um dem Pferd neue Lektionen beizubringen oder auch um Pferde, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht geritten werden können, zu beschäftigen und zu gymnastizieren. Dressurpferde lernen vom Boden aus stressfrei z.B. Seitengänge, später auch Piaffe und Passage bis hin zu Lektionen der Hohen Schule wie Levante oder Levade. Anfangs solltet ihr das auf jeden Fall unter Anleitung machen, denn so einfach, wie es auf Bildern oft aussieht, ist es keinesfalls. Die Basics lernt man aber recht schnell, z.B. in entsprechenden Lehrgängen und dann macht das auch echt viel Spaß! Schaut einfach mal auf den Terminseiten eures Landesreitverbands, dort findet man in der Regel auch solche Lehrgänge in eurer Gegend.

 

 

Zirkuslektionen

 

Ich muss gestehen, Zirkuslektionen kommen bei mir gern mal zu kurz. Oft fehlt einfach die Zeit. Ich bewundere aber die Pferdeleute, die ihren Tieren so viele tolle Kunststücke beibringen. Bei mir sind Zirkuslektionen aktuell eher auf einfache Tricks wie Küsschen geben beschränkt. Dank Leckerli haben die Pferde das meist ganz schnell raus, was ich möchte. Romeo mag das nicht so gern. Er macht es nur ab und zu und ziert sich immer ewig. Da kommt die Diva in ihm durch. Bei Xeron gleicht das Küsschen geben eher einem feucht-sabbrigen Verschlingen von wahlweise meines Ohrs oder meiner Nase, in der Hoffnung möglichst schnell das Leckerchen abzustauben. Ich kann euch sagen, ein Bild für die Götter! Und obwohl Friesen ja gern auch für Freiheitsdressuren hergenommen werden, bin ich mir noch nicht so sicher, ob er für sowas geeignet ist. Ohne es böse zu meinen, aber: ein Schnellmerker ist er nicht unbedingt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

 

 

Springgymnastik

 

Ja, bin ich früher sehr gern gesprungen. Heute darf ich das wegen meiner Bandscheiben leider nicht mehr. Trotzdem ist Springgymnastik auch ein Baustein, den ich in die Winterarbeit integrieren würde, wenn es ginge. Ob das jetzt ein einzelner Sprung ist, eine Sprungreihe oder gar ein ganzer Parcours, das bleibt euch natürlich überlassen. Übrigens hat die liebe Alina einen prima Beitrag mit drei tollen Beispielen für Gymnastikreihen geschrieben. Schaut mal dort rein und lasst euch inspirieren! Natürlich könnt ihr, wenn ihr etwas Zeit und die Halle für euch habt, euer Pferd auch gern mal freispringen lassen. Es gibt viele Pferde, die vielleicht unterm Reiter nicht so gern über Hindernisse gehen, aber im Freispringen sehr viel Spaß daran haben. Probiert es einfach mal aus.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Alina (Samstag, 26 Januar 2019 21:31)

    Liebe Julia,
    Wow, da hast Du eine tolle Liste mit ganz vielen Ideen ausgearbeitet! Also da kommt ganz sicher keine Langeweile mehr auf. :)
    Happy blogging!
    -Alina