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Instagram, werden wir nochmal Freunde?

Liebe/s/r Instagram, ich schreibe Dir von meinem Blog aus, weil es bei Dir selbst zu wenig Platz für meine Gedanken gibt. Ich möchte Dich was fragen. Meinst Du, wir werden nochmal Freunde? Als ich vor fast 4 Jahren mit Dir angebandelt habe, da schien alles so toll und simpel. Mit Deiner Hilfe kann ich ganz bestimmt meinen frisch gelaunchten Blog vorwärtsbringen. Das machen schließlich alle Blogger. Das wird bestimmt total super. Diesen Eindruck hatte ich zumindest nach der umfassenden Lektüre von ganz vielen Instagram Anleitungen und Ratgebern. Ich war motiviert und voller Tatendrang. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich will mal Bilanz ziehen. Macht man ja so zum Jahresende.

Die richtige Wahl?

 

Die vorherrschende Meinung ist ja: als Blogger braucht man ganz gewiss mindestens einen Social Media Account, um seinen Blog zu promoten. Das ist Standard. Das macht man einfach so. Für Themen wie Lifestyle, Reisen, Mode und Beauty klappt das auch anscheinend ganz hervorragend. Also habe ich Dich ausgewählt. Dein großer Bruder Facebook erschien mir nicht sinnvoll, da zum damaligen Zeitpunkt bereits auf dem absteigenden Ast befindlich. Außerdem wollte ich nicht, dass Leute, die mich dort kennen, unbedingt von meiner Bloggerei erfahren. Zu groß war die Angst davor, dieses zarte, frisch gepflanzte Pflänzchen wird be-kopfschüttelt und verlacht von Menschen, die sowieso nicht verstehen, worum es geht. Das Zwitschervögelchen ist hierzulande nicht so viel in Gebrauch, das nutzt man mehr in Übersee. Passt also nicht zu meiner Zielgruppe. Bei Dir hatte ich das Gefühl, hey, das könnte was werden. Du bist eine angesagte Social Media Plattform mit steigenden Userzahlen. Bei Dir treffen sich viele Gleichgesinnte. Man kann sich sicherlich super austauschen. Ganz viel Potential also für meinen Blog. Aber wirklich sicher bin ich mir da nicht mehr.

 

Zugegeben, ich war wohl sehr naiv. Versteh mich nicht falsch, ich möchte ja gar nicht jammern. Dass man auch bei Dir wie in jeder guten Beziehung viel Arbeit und Zeit reinstecken muss, ist mir klar. Dass Du es eigentlich gut meinst mit Deinem Algorithmus auch. Du möchtest ja ein gern genutzter Zeitvertreib sein und das klappt nur, wenn die Leute Inhalte sehen, die wirklich interessant sind oder zumindest sein könnten. Es gibt aber so ein paar Dinge, die ich an Dir nicht mehr so toll finde. Ich rede jetzt nicht von den starren Formaten und begrenzten Zeichenzahlen. Dass man sich in Deinen Posts mengenmäßig inhaltlich und auch gestalterisch in einem doch recht strengen Korsett befindet, ist ja von vornherein klar. Du bist immerhin eine Plattform für viele und entsprechend musst Du auch ein wenig für Ordnung sorgen. Du bist ja nicht Myspace. Weil ich mich eben nicht gern einschränken lasse, genau darum habe ich ja meinen Blog. Denn da bin ich mein eigener Herr und kann so viel Text schreiben und meine Seiten gestalten, wie ich lustig bin. Und weißt Du, was das Beste daran ist? Im Gegensatz zu Deinen Posts, die nach ein paar Sekunden schon wieder im Algorithmus-Nirwana verschwinden und man sich dumm und dusselig sucht und sie doch nicht mehr wiederfindet, bleiben Blog-Beiträge sicht- und auffindbar und werden mit der Zeit dank Freund Google sogar immer sichtbarer. Sehr zur Freude meiner Leser und (potentiellen) Kooperationspartner. Tja.

 

 

Es läuft einiges schief...

 

Aber zurück zum Eigentlichen. Wir befinden uns bei Dir ja irgendwie in einer Blase. Wir vernetzen uns zum großen Teil dort nur mit Accounts zu gleichen Themen. Also in meinem Fall rund ums Pferd. Der allgemeinen Social-Media-Schlechtikette ist es aber geschuldet, dass ich immer mehr die Stirn runzele, wenn ich an Dich denke und ehrlich gesagt momentan auch gar nicht so viel Lust mehr habe, Zeit in unsere Beziehung zu investieren. Denn unsere geheime Absprache, dass Du mir neue und/oder treue Blogleser verschaffst, wenn ich meine Zeit und Arbeit in Dich investiere, das hältst Du irgendwie nicht ein. Unsere Beziehung gerät zur Einbahnstraße. Eigentlich liegt es nicht mal an Dir. Nein, es liegt vielmehr an den Leuten selbst, die oftmals schlicht zu faul sind. Zu faul, sich von Dir wegzubewegen. Auch wenn es nur einen Klick auf einen Link – natürlich in meiner Bio – bedeutet. Das ist schon zu viel „Arbeit“. Ob Swipe-up, welches Du mir leider immer noch verwehrst, weil mein Account ja zu klein ist, das ändern würde, kann ich bestenfalls vermuten. Die Leute schreien nach Information und Bespaßung, aber einen längeren Text lesen – oh Gott, wo führt das hin? Bildchen gucken ist ja viel toller. Da muss man sein Hirn nicht anstrengen. Kurzum: als jemand, der eigentlich mehr will als nur sich selbst hochglanzpoliert zu präsentieren oder sinnlos „sinnige“ Lebensweisheiten zum Besten zu geben, sondern eigentlich mit richtigen Inhalten punkten will, habe ich es mit Dir verdammt schwer. Du bietest mir irgendwie nicht die richtige Zielgruppe. Oder Du versteckst sie vor mir. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist die Schnittmenge aus Deiner Zielgruppe und meiner, also die, die meinen Blog lesen, gefühlt doch recht klein und man muss echt nach ihr suchen.

 

Es wird ja irgendwie auch nicht besser. Dabei strenge ich mich wirklich an. Ich like und kommentiere was das Zeug hält. Versuche, in meiner knappen Zeit die Community aufzubauen, mit ihr in Verbindung zu bleiben und sie bei Laune zu halten. Aber es hilft nichts. Wachstum bei Dir? Gleich Null. Aktuell eher total rückläufig. Du verringerst immer mehr meine Reichweite, egal was ich tue. Klar, ich könnte Dich dafür bezahlen, dass Du mir wieder Reichweite verschaffst. Das ist immerhin insgeheim Dein Geschäftsmodell. Das will ich aber nicht. Wo sind denn die blühenden Landschaften, die ganzen tollen Follower, die Du mir anfangs mal versprochen hast? In Zeiten, wo jedes Lieschen Müller sich nicht nur anschickt, der neue Webstar zu werden, sondern auch direkt noch mindestens 5 eigene Support-Repost-Accounts eröffnet, sich in mindestens drei Telegram-Support-Gruppen befindet und Bots für sich arbeiten lässt, da wird der Vorsatz, meinen Blog möglichst organisch und „echt“ mit Deiner Hilfe zu promoten, immer mehr ein Kampf gegen Windmühlen. Die vielgelobten und irgendwann mal erfolgreichen Hacks, wie man erfolgreich seinen Account wachsen lässt, gelten kaum noch. Zu oft lässt Du mittlerweile Programmierer und KI an Deinem Algorithmus rumschrauben. Man kann sich ja gar nicht mehr wirklich darauf konzentrieren, guten Content zu machen, wenn man die ganze Zeit damit nur beschäftigt ist, irgendwie sichtbar zu bleiben. OK, kann man schon, aber auch oft nur, wenn man mit dem sprichwörtlichen Goldenen Löffel im Anus geboren wurde, noch von Beruf Schülerin/Studentin oder halbtags (oder gar nicht) arbeitende Ehefrau/Freundin ist und sich nicht in Vollzeit „ganz nebenbei“ um den eigenen Lebensunterhalt kümmern muss. Die obligatorische Fotografen-Freundin, die „für umme“ shootet, muss ich natürlich nicht erst noch erwähnen. Dann hat man natürlich auch massenweise Zeit und/oder Geld, sich den großen Status bei Dir zu erkau… äh… arbeiten (lassen). Leider gehöre ich nicht zu dieser Gruppe Menschen, wie Du weißt. Ich reiße mir tagtäglich auf dem Weg zum anerkannten und respektierten Blogger den Allerwertesten auf. Aber ich will mich nicht beschweren, sonst heißt es ja nur wieder „Was eine neidische Pute“, gell!

 

Auf der Suche nach den Gründen

 

Vielleicht liegt’s an der Altersstruktur? Social Media wird ja vor allem von Jugendlichen intensiv genutzt und die Jugendlichen sind es, die den medial Erfolgreichen ihren Erfolg verpasst haben. Dass die aber oft nicht über den Konsum von schlichten, um nicht zu sagen banalen Inhalten zur dahinplätschernden Bespaßung hinauskommen (wollen), wird ja schon daran ersichtlich, welche Formate bei Dir oder auch beispielsweise Deinem Kollegen YouTube richtig erfolgreich sind. Tiktok ist da jetzt auch nicht viel anders. Also unter uns, wenn ich mir beispielsweise Videos der angesagten (Nicht-Pferde-)YouTuber ansehe, da frag ich mich, was die mir eigentlich genau sagen wollen. Eigentlich nichts, wenn wir mal ehrlich sein wollen. Trotzdem oder gerade deswegen haben sie riesigen Erfolg bei ihrer Zielgruppe, das muss man ihnen neidlos lassen. Nur ist die Zielgruppe von denen halt nicht (unbedingt) meine Zielgruppe. Allein schon aus Altersgründen. Und das ist das Problem: meine Zielgruppe ist auch bei Dir, liebes Instagram, nur bedingt vertreten und viele verlassen Dich auch schon wieder, weil sie mit Dir immer weniger anfangen können. Ich könnte es mir natürlich einfach machen und um Follower und Fame willen jetzt einen auf total jugendlich und trendy machen und sinnbefreite Reels und pseudo-lustige Videos posten. Was für meine richtige Zielgruppe aber auch wieder auf Dauer uninteressant wäre, allein schon weil „zu alt für den Scheiß“.

Zeit für Veränderungen?

 

Nein, ich möchte meinen Inhalten und meiner Zielgruppe treu bleiben. Natürlich sollte man als Content Creator auch in gewissem Maß mit Trends gehen. Es gehört aber auch dazu, für sich zu erkennen, was für einen sinnvoll ist. Auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen macht keinen Sinn. Anpassen ja, verbiegen nicht. Aus Raider kann Twix werden, keine Frage. Aber aus Kaffee wird halt nicht Tee (oder umgekehrt). Vielleicht müsste ich also eine Anpassung vornehmen. Weg von Dir im Sinne von Blogpromotion. Da hast Du einfach versagt. Das kannst Du einfach nicht. Das kann zum Beispiel Pinterest besser. Glaub mir. Das sehe ich allein schon an der Anzahl monatlicher Impressionen dort. Und da pinne ich nur kurz ein Bildchen mit Link zum Beitrag. Da kannst Du nicht mithalten und in Zeiten, in denen mehr und mehr Fake-Accounts erstellt werden, wird es sowieso zunehmend schwerer, reell auf Dir wachsen und sich professionell positionieren zu wollen. Ohne ständig viel Geld oder Zeit zu investieren, kommt man auf Dauer selbst mit der besten „Marketingstrategie“ bei Dir nicht weiter, will man Dich nicht nur privat sondern professionell nutzen. Auch wenn manche (selbsternannten) Marketingexperten einem was anderes erzählen wollen. Leider wäre es für mich eine Milchmädchenrechnung, die für mich derzeit nicht aufgeht, wenn ich Kosten und Nutzen gegenüberstelle. Wie gesagt, es gibt echt bessere, für Blogger geeignetere Plattformen zur Promotion von Beiträgen, die auch noch weniger Zeit fressen und weniger kosten. Bloglovin' zum Beispiel kostet mich weder Geld noch Zeit. Geht ein neuer Blogbeitrag online, wird automatisch ein neuer Vorschau-Feed erzeugt, der auf den Beitrag verlinkt. Gut, mit meinem Blog bin ich dort zwischen all den Lifestyle- und Beautyblog-Feeds wirklich absolut nischig unterwegs, dennoch hat die Plattform Potenzial!

 

Ja, vielleicht habe ich zu große Hoffnungen in Dich gesetzt. Wirklich erfüllt hast Du sie nicht. Als nette dahinplätschernde Ergänzung zum Blog magst Du taugen, als echter Sparringspartner, der mich in meinen Vorhaben richtig voranbringt nicht. Die Blogleser kamen und kommen auch ohne Dich auf meinen Blog. Google Analytics zeigt es mir ja: die Anzahl der Blogbesucher, die über Instagram kommen, ist echt klein. Entsprechend muss ich mir wohl überlegen, wie ich mit Dir weiter verfahre. Irgendwas wird sich ändern müssen. Wirklich brauchen tue ich Dich nicht und in der Zeit, in der ich zusätzlichen Content für Dich erstelle, könnte ich auch schon neue Blogbeiträge und Videos erstellen und so öfter veröffentlichen, als ich es jetzt tue. Oder ich könnte mehr für Kunden schreiben. Ganz Schluss machen mit Dir möchte ich nicht. Ich weiß noch nicht genau, wie es mit uns weitergehen wird. Vielleicht habe ich im Weihnachtsurlaub mehr Zeit, darüber in Ruhe nachzudenken. Und dann, ja dann könnten wir unter Umständen vielleicht wieder Freunde werden. Möglicherweise.

 

 

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